Carl Gustav Jung

Jung wurde am 25. Juli 1875 im schweizerischen Kesswil am Bodensee geboren, als Sohn eines reformierten Pfarrers und seiner Frau, die sich in ihrer Freizeit mit Spiritismus beschäftigte. Jung verbrachte eine ihn prägende, etwas einsame Kindheit, in der er bereits seinen inneren Erfahrungen, Bildern und Träumen Beachtung schenkte. Nach dem Studium der Medizin (er promovierte über die spiritistischen Sitzungen seiner Verwandtschaft), arbeitete er als Psychiater am Burghölzli, einer Klinik in Zürich, die damals von Eugen Bleuler geleitet wurde. Nach ersten Kontakten zur jungen Psychoanalyse und auch zu Freud persönlich entwickelte er nach einer persönlichen Krise ab 1916 die Grundzüge seiner Analytischen Psychologie. Seine wichtigsten Veröffentlichungen umfassen ein Werk von 20 Bänden. Jung pflegte Kontakt auch zu anderen Wissenschaftsdisziplinen und beschäftigte sich stark mit gesellschaftlichen Fragen, mit dem Symbolsystem der Alchimie, mit Astrologie und Spiritualität und Glaubensfragen. Er dozierte an vielen internationalen Universitäten, war ein gefragter Interviewpartner und Therapeut. Wegen seiner Arbeiten zum Wotan-Archetyp und einiger Aussagen während der Nazizeit geriet Jung sehr ins Kreuzfeuer der Kritik, mittlerweile ist diesbezüglich einiges an differenzierter Aufarbeitung durch seine Nachfolger festzustellen. Sein Leben war selbst stark von Gegensätzen geprägt, so engagierte sich Jung in der Berufspolitik, trug auch zur Gründung eines ersten Instituts bei, dennoch zog er sich zeitweise stark zurück, widmete sich der Malerei und der Bildhauerei. Er gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Psychologie des 20. Jahrhunderts. Besondere Popularität genießt seine Lehre in den USA, was sich u. a. 2009 nach der posthumen Veröffentlichung seines „Roten Buchs“ bewahrheitete.